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Harte Arbeit

Ich schwöre dir, dieses Foto war körperliche Schwerstarbeit. Also wirklich. Olympiareif. Eigentlich hätte ich danach eine Medaille bekommen müssen. Mindestens Bronze. Vielleicht auch Gold, wenn man die Disziplin „Fotograf vs. Kinderchaos“ offiziell einführen würde.
Ich schwöre dir, dieses Foto war körperliche Schwerstarbeit. Also wirklich. Olympiareif. Eigentlich hätte ich danach eine Medaille bekommen müssen. Mindestens Bronze. Vielleicht auch Gold, wenn man die Disziplin „Fotograf vs. Kinderchaos“ offiziell einführen würde.

Man könnte ja meinen, die Herausforderung wären die kleinen Füßchen gewesen. Diese winzigen Dinger, die normalerweise schneller zappeln als ein Espressojunkie nach drei Doppio. Aber nein. Die waren diesmal die reinste Zen-Meditation. Ruhig. Friedlich. Kooperativ. Fast schon verdächtig brav.


Der wahre Endgegner war der große Bruder.


Während ich versuchte, künstlerisch wertvoll mit Licht, Fokus und Gefühl zu arbeiten, sah er in mir… eine Spielwiese. Ich wurde kurzerhand zum Parkplatz für Traktoren umfunktioniert. Mein Rücken? Baustelle. Meine Schulter? Landwirtschaftszone. Mein Objektiv? Offensichtlich ein Knopf-Spielzeug, das unbedingt gedrückt werden musste. Immer wieder. Mit Begeisterung. Mit Nachdruck. Mit pädagogisch fragwürdiger Zielstrebigkeit.


Zwischendurch erklärte er mir auch meinen eigenen Job. Laut ihm funktioniert Fotografieren nämlich so: Knopf drücken, lachen, fertig. Dass ich vorher Position suche, Licht prüfe, Perspektive wähle und versuche nicht gleichzeitig als Brücke für Spielzeugfahrzeuge zu dienen, hielt er offenbar für unnötigen Schnickschnack.


Und genau in diesem liebevoll organisierten Chaos ist dieses Bild entstanden. Dieses eine Foto, bei dem ich später selber drauf starre und mir denke: Wann zur Hölle hab ich das eigentlich gemacht?! War ich da kurz bewusstlos? Hat mein Unterbewusstsein übernommen? Oder hat vielleicht der kleine Bauleiter mit dem Traktor heimlich ausgelöst?


Egal wie. Genau diese Momente sind der Grund, warum ich diesen Job liebe. Nicht weil alles perfekt läuft. Sondern weil absolut gar nichts perfekt läuft — und genau dann die schönsten Bilder entstehen.


Und ja… ich werde beim nächsten Shooting wieder als Parkplatz missbraucht werden. Aber hey — Kunst verlangt Opfer. In meinem Fall meistens Rückenschmerzen und Reifenspuren.


 
 
 

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