Was wir wollen ist nicht das was wir bekommen!
- Guntram Fechtig
- 25. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Eigentlich đ
hatte ich da ein ganz klares Bild im Kopf.
So eines fĂŒr die Wohnzimmerwand.
SchwarzweiĂ natĂŒrlich. Ganz ruhig. Ganz emotional.
Die ganze Familie, versammelt um dieses eine winzige FĂŒĂchen.
Vier HĂ€nde, vielleicht sechs. Alle ganz vorsichtig.
Fast ehrfĂŒrchtig.
So ein âWir sind jetzt komplettâ-Moment.
Du kannst ruhig kurz die Augen schlieĂen und es dir vorstellen.
Ich habâs nĂ€mlich auch getan. Mehrmals.
NurâŠ
das Leben hatte da wieder seine eigene Bildidee.
Der groĂe Bruder zum Beispiel.
Der hatte nicht âandĂ€chtig FĂŒĂchen haltenâ im Sinn.
Nein. Sein innerer Regisseur rief eher:
âOperation Kitzelattacke startet JETZT!â đ€
Und noch bevor ich âBitte einmal ruhig bleibenâ sagen konnte,
war er da.
Mit vollem Körpereinsatz.
Und diesem Grinsen, das nur groĂe BrĂŒder haben,
wenn sie wissen, dass sie etwas absolut Verbotenes â
aber gleichzeitig sehr Lustiges â tun.
âKomm, wir kitzeln den Kleinen an den FĂŒĂchen!â
Zack.
Perfekter Plan? Geschichte.
Perfekter Moment? Neu definiert.
Und wÀhrend ich innerlich mein imaginÀres Wandbild verabschiedet habe,
ist etwas viel Besseres passiert.
Es wurde gelacht.
Nicht dieses gestellte âBitte alle einmal nett schauenâ-Lachen.
Sondern echtes.
Ungeplantes.
Chaotisches.
Familienlachen.
Das kleine FĂŒĂchen hat gezuckt.
Der groĂe Bruder war stolz wie ein König.
Und niemand â wirklich niemand â hat gejammert:
âDas will ich aber nicht!â
Am Ende hatte ich kein Bild,
wo alle ehrfĂŒrchtig dieses FĂŒĂchen halten.
Aber ich hatte etwas,
das viel nÀher an der Wahrheit ist.
Ein Bruder, der schon jetzt weiĂ,
dass kleine Geschwister zum Ărgern da sind.
Ein Baby, das von Anfang an lernt,
dass Liebe manchmal kitzelt.
Und Eltern, die vermutlich innerlich gleichzeitig lachen
und ĂŒberlegen,
ob sie das spĂ€ter mal zurĂŒckzahlen.
Vielleicht ist Perfektion ja sowieso ĂŒberschĂ€tzt.
Vielleicht sind es genau diese Momente,
wo alles ein bisschen anders lÀuft als geplant,
die spÀter die besten Geschichten werden.
Und ganz ehrlich?
Ein Bild, wo niemand meckert,
niemand flĂŒchtet
und niemand beleidigt in die Ecke schaut âŠ
ist manchmal das wahre Meisterwerk đ



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