Wenn man mich vergisst
- Guntram Fechtig
- 18. Feb.
- 1 Min. Lesezeit

„Wow, du bist pünktlich!“ zum Beispiel.
Oder „Hier ist dein Honorar in bar und ein Kuchen.“
Was ich gestern gehört habe, war ehrlicher.
„Scheiße! Guntram ist da!“
Ich stand in der Küche, geschniegelt wie ein Profi, innerlich bereit für Kunst, Magie und Lichtsetzung. Die Küche stand… nun ja… eher bereit für eine Folge Tatort: Gastronomie Edition. Chaos, halbe Zutaten, Schneidbretter wie Schlachtfelder und irgendwo weinte wahrscheinlich noch eine Zwiebel aus Protest.
Wir hatten letzte Woche ausgemacht, dass ich vorbeikomme.
Sie hatten letzte Woche ausgemacht, dass sie mich vergessen.
Und genau da begann mein persönliches Weihnachtsfest.
Während die Crew panisch Teller suchte, Messer schärfte und versuchte, gleichzeitig professionell und nicht komplett überrascht auszusehen, klatschte mein innerer Monk begeistert in die Hände wie ein Kind im Süßwarenladen.
Weil wenn man mich vorbereitet empfängt — ist alles geschniegelt.
Wenn man mich vergisst — ist alles echt.
Also stand ich da, grinste wie ein Schatzsucher und dachte nur:
„Ohhhh ja… heute gibt’s Rohdiamanten.“
Ich bekam alles.
Zwiebeln schneiden.
Pfannen zischen.
Flüche auf Küchensprache.
Röstzwiebeln, die dramatischer fielen als Schauspielschüler beim Casting.
Während alle versuchten aufzuholen, lief ich herum wie ein Dokumentarfilmer auf Koffein und sammelte Momente ein, als wären’s Pokémon.
Kein inszeniertes Lächeln.
Kein gestelltes „wir tun so als ob“.
Nur echtes Chaos. Echtes Leben. Echte Küche.
Und genau da ist mein Monk glücklich.
Nicht wenn alles perfekt ist.
Sondern wenn Perfektion erst entsteht.
Am Ende standen die Teller geschniegelt da wie bei einer königlichen Audienz. Alle atmeten durch. Ich auch.
Und irgendwo im Raum hörte ich meinen inneren Monk zufrieden murmeln:
„Gut, dass sie dich vergessen haben.“



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